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Das Baselland der Galloways, Longhorns und Bisons

Diese Wanderung rund um die Farnsburg ist nicht nur für Interessierte an Rinderrassen – ob zum Streicheln oder auf dem Teller. Dafür ist sie zu vielseitig und geschichtsträchtig.

Bilder: dom

17.06.2021

Dem Wetter trotzen ist die Devise im Mai. Immerhin wechselt sich Regen mit Sonne ab, weshalb man mit improvisatorischem Talent weniger nass wird und trotzdem zu einer Wanderung ansetzen kann. Vorbereitung und Equipment ist alles. Oder wie sagt man: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wir stellen die Wanderung mithilfe des Vereins Wanderwege beider Basel zusammen und fahren mit dem Zug nach Gelterkinden, wo wir in Richtung Farnsburg laufen. Es dauert nicht lange, bis uns ein weisser Lattenzaun die Nähe eines Hofes ankündigt. Tatsächlich bestaunen wir ein paar Meter weiter die Schottischen Hochlandrinder, die scheu, aber neugierig versuchen, uns Zweibeiner einzuordnen. Anscheinend ist das Highland Cattle die älteste registrierte Viehrasse und stammt aus dem Nordwesten Schottlands sowie den Hebriden. Das kleinwüchsige Hochlandrind mit den kurzen Beinen gilt als gutmütig, robust und langlebig, es eignet sich für die ganzjährige Freilandhaltung und liefert mittelrahmige Milch und cholesterinarmes Fleisch. An Fleisch möchten wir vis-à-vis der drolligen Rinder gerade nicht denken, freuen uns aber über die artgerechte, aufs Tierwohl ausgerichtete Haltung. Der idyllisch gelegene Hof Oberer Homberg hat auch viele Kirschen und Zwetschgen auf Hochstämmen im Streuobstbau. Wir kommen gerade richtig zur Kirschblüte und kommen spätestens jetzt in Urlaubsstimmung. Weiter geht es bergauf in Richtung Farnsburg, wo wir im Landgasthof übernachten werden. Der Wanderweg schlängelt sich vorbei an Wiesen, geht stückweise durch Wald und bietet immer wieder Gelegenheiten, den Blick über den Jura zu geniessen. Hier oben scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wo man hinschaut, scheint die Natur intakt, wird grossen Wert darauf gelegt, im Einklang mit der Natur und den Tieren zu arbeiten. Die bienenfreundlichen Wiesen sind fast irritierend bunt.
 

Psychiatrie Baselland

Vorreiter der Biodiversität

Ganzheitlichkeit, Biodiversität und Respekt gegenüber Natur und Tier sind auch die Leitgedanken in der Philosophie des Hofgutes Farnsburg. Die Weideschweine – eine Rückkreuzung aus alten Landrassen – leben mit ihren Artgenossen auf den weitläufigen Weiden des Hofguts. Die Tiere können Sommer und Winter ihr Gelände auskundschaften und ganzjährig im Dreck suhlen. Die schwarz-weissen zottigen Galloway-Rinder sind die Lieblinge der Kinder. Auch Galloways kommen ursprünglich aus Schottland. Wie die Highland Cattle sind auch sie widerstandsfähig und können mit ihrem doppelschichtigen Fell auch harte Winter im Freien überstehen. Und Galloways sind Naturschützer, denn die vergleichsweise leichten Tiere schonen mit ihren breiten Klauen die Grasnarbe und beschädigen diese nur minimal. Ein paar Meter weiter entfernt von Schottland finden wir die amerikanische Steppe. Zumindest finden wir die ursprünglich dort beheimateten beeindruckenden Bisons auf dem Hofgut. Tatsächlich wirkt allein die Erscheinung wild, insbesondere bei den doppelt so grossen Bullen. Die Bisons leben in einer halbextensiven Haltung. Die Weidefläche ist zu klein, als dass sich die Bisons das ganze Jahr nur von diesem Gras ernähren könnten. Im Winter müssen sie zusätzlich mit Heu und Stroh nachversorgt werden. Doch der Bison kann aus qualitativ schlechtem Futter mehr aufnehmen als die hiesigen Kühe, muss er doch in der freien Wildbahn auch im Winter mit spärlicher, nährstoffarmer Nahrung auskommen. Er ist somit ein ausgezeichneter Futterverwerter.

Die Schatzkammer im Keller

Das sind wir auch, als wir zum Abendessen im Restaurant des Landgasthofes Farnsburg erscheinen. Die Wanderung und die frische Luft haben uns hungrig gemacht. Der gute Ruf, der dem Restaurant vorauseilt, macht uns zudem neugierig. Qualität, Frische und Nachhaltigkeit sind die Grundpfeiler in der Küche des Restaurants. «Der Biodiversitätsgedanke des Hofgutes hält auch bei uns Einzug», erklärt uns Gastgeber Adrian Burger. Hierfür hat der Betrieb verschiedene Partnerschaften mit Biohöfen, bietet Wild aus eigener Jagd oder den Alpkäse von der Alp Morgeten der Familie Haueter. Je nach Schlachtung gibt es das beliebte Bisonfleisch vom Hofgut nebenan. In der Küche zaubert Spitzenkoch Yasine Bouarasse raffinierte und traditionelle Gerichte auf die Teller und erfüllt mit vielen Ideen auch spezielle Wünsche. Sommelier Cyrill Falleger hat bereits im «Drei Könige» in Basel Weinliebhaber zu ihrem Glück verholfen und sorgt auch hier mit seiner charmanten Art dafür, dass sich jeder Gast wohlfühlt. Wirklich jeder. «Uns ist sehr daran gelegen, dass sich alle Gäste willkommen fühlen», bemerkt auch Adrian Burger. «Wir möchten alles andere als elitär sein.» Seit der Gründung 2019 hat sich einiges geändert im Landgasthof. Was gleich geblieben ist, ist die Schatzkammer, die der Gasthof beherbergt: der renommierte Weinkeller. Hier findet man nicht nur einen der attraktivsten Weinkeller, sondern auch die weltweit führende Sammlung an Bordeaux- und Süssweinen. Darüber hinaus zeigen 7 Themen-Weinkeller Spitzenweine und Raritäten aus der neuen und alten Welt. Man möchte sich hier einschliessen lassen – wäre es etwas wärmer. Man kann zumindest dinieren, ein runder Tisch steht für besondere Anlässe zur Verfügung. «Viele Heiratsanträge oder Hochzeitstage werden hier gefeiert», weiss der Gastgeber. Ob es an der kühlen Luft und den Eindrücken im Weinkeller, am ausgezeichneten Essen, am freundlichen Team oder der guten Bergluft liegt: Uns überkommt langsam eine angenehme Müdigkeit und wir machen uns auf in unser Zimmer im 2. Stock. Wir schlafen wie Steine.

Umtriebige Farnsburg

Nach einem reichhaltigen und gesunden Frühstück und ein paar Einkäufen im Hofladen geht es am nächsten Tag hoch auf die Farnsburg. Im 14. Jahrhundert von den Grafen von Thierstein errichtet, diente die Burg der Schweizer Armee im letzten Jahrhundert als wichtiger Militärstützpunkt. Leider ist die Farnsburg gerade eine grosse Baustelle. Über eine kleine abenteuerliche Treppe kommen wir dennoch hoch auf die Schildmauer, den höchsten Punkt der Burg. Der Ausblick von hier oben ist überwältigend. In der Ferne entdecken wir die Hochhäuser von Rheinfelden, dahinter erstreckt sich der Schwarzwald, im Westen die Vogesen. In die andere Richtung nur Hügel und Wald, dünn besiedeltes Baselland. Wir bleiben hier oben sitzen und fragen uns, welches Bauvorhaben hier umgesetzt wird. Internet sei Dank erfahren wir prompt, dass seit April 2020 die Gesamtsanierung der Burgruine läuft. Der instabile Felsuntergrund wird gefestigt und die brüchigen Bausteine werden ersetzt. Mit einer Aussichtsplattform soll die Farnsburg auch gleichzeitig für die Öffentlichkeit aufgewertet werden. Die Grillstellen sind währenddessen nicht zugänglich, doch entlang des Wanderweges gibt es genug Alternativen. Wir reissen uns nur ungern von dem fesselnden Blick los, wollen aber weiter nach Buus, wo wir texanische Longhorns bestaunen wollen. Wir steigen also wieder ab zum Hofgut Farnsburg und nehmen die Abzweigung Richtung Buus.

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Auf dem letzten Weg nach Buus laufen wir durch eine kleine Schlucht, die mit ihren eingerollten Farnen an die Urzeit erinnert. Von diesen Urzeit-Dinosaurier-Assoziationen beeindruckt, suchen wir im Juragestein direkt nach Fossilien und finden tatsächlich einen Stein, der eine Versteinerung eines ehemaligen Riffs aufweisen könnte. Den Hof Eigenried mit den Longhorns finden wir mithilfe unseres GPS, denn er liegt leicht ausserhalb des Dorfes auf etwa 600 m Höhe. Von weitem erkennen wir die langen Hörner der Rinder, welche der Rasse ihren Namen geben. «In den USA können die Hörner eine Länge von 2,5 Metern erreichen », erklärt uns Urs Weiss. Mit seiner Frau Daniela zusammen waren sie vor über 20 Jahren die Ersten in Europa, welche diese Rasse züchteten. Nach einem Aufenthalt in Texas waren sie vom Lebensgefühl und von den Longhorns beeindruckt und holten sie in die Schweiz. «Entgegen ihrer Erscheinung ist es eine sehr ruhige Rasse», so Urs Weiss. Wir möchten dennoch nicht näher ran und widmen uns dem Longhorn Brand, den die Familie im Angebot hat: ein Gin auf Basis von Kirsch. Speziell, aber gut. Der kommt auch in den Rucksack, und so langsam scheint es zur Gewohnheit zu werden, eine Wanderung im schönen Baselland mit deutlich mehr Gepäck als beim Start zu beenden. Zu gross sind die kulinarischen Verführungen. Dominique Simonnot
 

Mit Wanderwege beider Basel und Baselland Tourismus durchs Baselbiet

Das Baselland der Galloways, Longhorns und Bisons Image 2

Baselland hält in seiner Schatztruhe viele spannende Ausflüge und Erlebnisse bereit. Baselland ist Wanderland und weiss als solches auf vielseitigen Wanderwegen zu überraschen und zu begeistern. Gerade weil sich hier nicht die Alpen in den Himmel erheben, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Landschaften und Kulturräume auf engem Raum begegnen. Das vielfältige Angebot an Wanderwegen reicht vom ausgedehnten Spaziergang bis zur mehrtägigen Etappenwanderung (Via Surprise) und beinhaltet auch zahlreiche Themenwege wie etwa den Erlebnisweg Titterten oder den interaktiven Planetenweg in Laufen. Online oder auf der Themenkarte Wandern findet man viele inspirierende Vorschläge von Baselland Tourismus.

Wanderwege beider Basel

Die Wanderorganisation gibt es seit 1938. Heute hat sie 2400 Mitglieder, die sich regelmässig zum Wandern oder zum Austausch treffen. Gemeinsam mit der Dachorganisation Schweizer Wanderwege fördert der Verein das Wandern durch attraktive Wanderangebote, ein gut ausgebautes und signalisiertes Wanderwegnetz sowie interessante Themenwanderungen. So bietet Wanderwege beider Basel viele Dienstleistungen für Wandernde jeden Alters und kümmert sich mit Hilfe von 60 Freiwilligen um das 1100 km lange Wegnetz beider Basel. Der günstige Beitrag von 40 Franken macht die Mitgliedschaft für alle erschwinglich und trägt sicher zur Beliebtheit des Vereins bei.

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