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Kosten senken per Knopfdruck 

Make Heat Simple: Gut 85 Prozent der Zweitwohnungen werden in der Schweiz normal geheizt, auch wenn länger niemand da ist. Energie Schweiz versucht dem unnötigen Energieverbrauch entgegenzuwirken

Bei einem Haus können bis zu 1300 Franken Heizkosten gespart werden. Bild: Getty

1.05.2022

In der Schweiz gibt es mittlerweile rund 700 000 Zweitwohnungen. Seit Anfang 2019 läuft die Kampagne «Make Heat Simple» von Energie Schweiz zur Reduzierung des Energieverbrauchs mittels Fernbedienung der Heizung in Ferienwohnungen. Nach eineinhalb Jahren der Projektphase verfügten lediglich zwischen 3 und 5 Prozent der Zweitwohnungen über ein Fernbedienungssystem, nun sind es gemäss Bundesamt für Energie zwischen 10 und 15 Prozent.

Bis zu 60 Prozent der Energiekosten können mit einem Fernbedienungssystem gespart werden. Würden alle Zweitwohnungen mit einer Fernbedienung ausgerüstet und würde nur stärker geheizt, kurz bevor jemand anreist, könnten jährlich 2000 Gigawattstunden gespart werden – dies entspricht dem Energieverbrauch aller Haushalte in Bern und Lausanne. Je nachdem, wie viel vor der Installierung geheizt wurde, können mit einer Fernbedienung bei einer Wohnung jährlich zwischen 200 und 800 Franken, bei einem frei stehenden Haus zwischen 500 und 1300 Franken an Heizkosten eingespart werden. Bei einer Investition zwischen 500 und 2500 Franken in ein Fernbedienungssystem wäre der Aufwand also innert weniger Jahre amortisiert. Trotzdem verzichten immer noch viele auf eine Installation. Gemäss Patrick Kutschera, Geschäftsführer von Energie Schweiz, sind die Gründe vielseitig. «Einerseits haben die Eigentümerinnen und Eigentümer falsche Vorstellungen der Kosten, andererseits kennen sie beim Ort ihrer Zweitwohnung oftmals die Anbieter nicht oder wollen, wenn sie schon in der Ferienwohnung sind, sich nicht noch mit solchen Dingen beschäftigen.»


Das Ziel ist bereits erreicht

Energie Schweiz hat sich mit «Make Heat Simple» zum Ziel gesetzt, innerhalb der fünfjährigen Projektphase, also bis 2024, 30 000 zusätzliche Installationen zu erreichen. Dieses Ziel wurde bis heute, nach drei Jahren, bereits erreicht. «Die Zwischenbilanz ist sehr positiv, und zwar nicht nur in Bezug auf die Anzahl der Installationen», sagt Mihaela Grigorie, Fachspezialistin Energieeffizienz beim Bundesamt für Energie, «auch hinsichtlich der hohen Anzahl professioneller Partner der Kampagne, aufgrund der Besucherzahlen der Website und allgemein aufgrund des guten Echos, das das Thema gefunden hat.»

Klar ist, dass in den nächsten Jahren zahlreiche weitere Zweitwohnungen dazustossen werden. In zwölf Kantonen ist bei neuen Zweitwohnungen oder bei der Heizungssanierung in Ferienwohnungen der Einbau eines Fernbedienungssystems Pflicht. Dies betrifft unter anderem die Kantone Graubünden, Tessin und das Wallis, die die höchste Dichte an Zweitwohnungen aufweisen, aber auch Kantone wie Bern, Obwalden oder St. Gallen. Trotzdem gibt es Schlupflöcher: So kann eine Elektroheizung über Jahre immer wieder repariert werden. Keine entsprechende Vorschrift besteht in Kantonen wie Aargau, Basel und Luzern.


«Angesichts der Vielfalt der Lösungen gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen die Installation nicht möglich ist.»

Mihaela Grigorie
Fachspezialistin Energieeffizienz beim Bundesamt für Energie


Unterschiedliche Rückmeldungen

Die Bündner Gemeinde Vaz/Obervaz hat mit über 4300 Zweitwohnungen von gesamthaft 5700 Wohnungen einen sehr hohen Anteil an Zweitwohnungen (76,59 Prozent). Entsprechend engagiert ist man in der Gemeinde mit dem Label «Energiestadt». «Mit einem solchen grossen Anteil könnten wir bezüglich Fernbedienung sicher einiges erreichen», sagt Edgar Bisig, Leiter Werke bei der Gemeinde. In den nächsten Wochen soll die Bevölkerung nochmals auf das Projekt «Make Heat Simple» aufmerksam gemacht werden. Rückmeldungen habe er bisher aus beiden Richtungen erhalten. «Einige sind eher kritisch, weil es natürlich eine Investition ist», sagt er. Aber der grosse Teil sei sich dessen bewusst, dass etwas verändert werden muss.

Fast mit jeder Heizung möglich

Auf der Website von Makeheatsimple.ch können Eigentümerinnen und Eigentümer mittels Rechner ermitteln, wie hoch das Sparpotenzial für die eigene Ferienwohnung ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wohnung mit Öl, Gas, Strom, Wärmepumpe oder Erdwärmesonde geheizt wird, auch bei einer Pellet- oder einer Hackschnitzelheizung ist die Installation einer Fernbedienung möglich. Einzig bei manuell aufladbaren Heizöfen und Wohnzimmerkaminen funktioniert eine Fernsteuerung nicht. «Angesichts der Vielfalt der Lösungen gibt es nur sehr wenige Fälle, in denen die Installation einer Fernbedienung nicht möglich ist», erklärt auch Mihaela Grigorie. Die Steuermodule werden an der Wärmeerzeugung wie der Wärmepumpe oder dem Ölkessel, an den Ventilen für die Wärmeverteilung wie beispielsweise bei einer Fussbodenheizung oder an den Heizkörpern installiert. Komplexere Systeme, die über eine App gesteuert werden, ermöglichen zusätzlich die Anzeige und die Einstellung der Temperatur in Abwesenheit in jedem Zimmer sowie den Empfang von Alarmen. «Es gibt auch Systeme, die einfach per SMS gesteuert werden können, indem man die Nachricht ‹on› sendet, um die Heizung einzuschalten, oder ‹off›, um sie auszuschalten», erklärt Grigorie. Im letzteren Fall wird die Heizung nicht komplett ausgeschaltet, sondern auf eine niedrigere Temperatur heruntergeregelt, die bei der Installation je nach Situation auf 6 bis 12 Grad voreingestellt wird.

Wie viel effektiv gespart werden kann, hängt auch von der Isolation des Chalets oder der Wohnung ab. Bei gut isolierten Wohnungen kann die Temperatur auf 6 Grad gesenkt werden, bei schlechter Isolation auf rund 10 Grad. Neben dem Sparrechner ist auf der Website von Makeheatsimple.ch auch eine Liste mit lokalen Spezialisten für die Installation aufgeführt. Je nach Heizung dauert die Montage bis zu einem halben Tag, sie kann je nach Heizungssystem aber auch bereits nach zwei Stunden erledigt sein. Marcel Habegger

Guter Rat ist gratis

Beratung Die Impulsberatung des Programms «erneuerbar heizen» ist seit 1. April in der ganzen Schweiz kostenlos. Hier können sich Hausbesitzerinnen und Stockwerkeigentümer bei der Wahl des optimalen Heizsystems mit erneuerbaren Energien gratis beraten lassen.

Bohrungen für Erdwärmesonden sind in der Schweiz bewilligungspflichtig. Mit der neuen interaktiven Anwendung kann-ich-bohren.ch kann man mit einem Klick abklären, ob am geplanten Standort eine Bohrung für eine Erdwärmesonde möglich ist. Entwickelt wurde die interaktive, digitale Anwendung vom BFE und seinem Programm Energie Schweiz auf Basis von kantonalen Geodaten. (to) Quelle: BFE


Spielzeug ist keine Wegwerfware

Bild: getty
Bild: getty

Kreislauf Ausgediente Spielsachen sollten nicht im Hauskehricht landen. Besser ist es, sie zu verkaufen, zu verschenken oder zu reparieren. Selbst kaputte Geräte enthalten noch viele wertvolle Rohstoffe. Wie man Spielsachen ein zweites Leben gibt, lässt sich in einem Fragebogen unter www.sens.fctry.ch herausfinden. (to) Quelle: Sens eRecyclin


Nachhaltige Entsorgungslösung

Autobatterien Sens eRecycling und der Verband freier Autohandel Schweiz (VFAS) haben per 1. Januar 2022 die Branchenlösung «VFAS» lanciert. Diese ermöglicht den Mitgliedern des VFAS eine Befreiung von der Gebührenpflicht und bietet einen standardisierten Prozess für Sammlung, Transport und Verwertung von Industrie- und Fahrzeugbatterien. Finanziert wird die Branchenlösung VFAS mittels eines marktwirtschaftlich bemessenen, vorgezogenen Recyclingbetrags. (to) Quelle: Sens eRecycling


Kreisläufe schliessen

Kunststoffverpackungen Über 50 Organisationen unterzeichnen den Pact «Kreisläufe für Kunststoff-Verpackungen und Getränkekartons schliessen». Mit diesem Pact startet der Aufbau eines nationalen Sammelsystems für Kunststoffverpackungen und Getränkekartons. Das Ziel ist die Einführung eines schweizweit harmonisierten, konsumentenfreundlichen Kreislaufwirtschaftssystems für Kunststoffverpackungen und Getränkekartons. Zu den Unterzeichnern gehören 50 Organisationen entlang der ganzen Wertschöpfungskette – von Verpackungsproduzenten über Brandowner und Detailhändler bis hin zu Recyclern. (to) Quelle: Swiss Recycling