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Raus ins Vergnügen

Basel ist eine tolle Stadt. Doch von Zeit zu Zeit muss man sie verlassen, um die Vorzüge des umliegenden Baselland zu geniessen.

Bei dem atemberaubenden Blick über den Jura müssen selbst Kinder kurz innehalten. Bild: dom

26.04.2021

Wir möchten nicht nur wandern. Wir wollen ein Mikroabenteuer. In der Nähe. Natur, Bewegung, Wellness, Geschichte, Kunst und Genuss! Die Messlatte wird hoch gelegt. Wir sollten nicht enttäuscht werden.

Mithilfe des Vereins Wanderwege beider Basel suchen wir eine auf diese Faktoren abgestimmte Wanderung aus. Und erhalten einige Vorschläge. In einer kleinen Gruppe fahren wir mit der Bahn Richtung Olten und steigen in Sommerau aus. Von hier aus geht es erst einmal steil bergauf in Richtung Rünenberg, vorbei an riesigen Bärlauchfeldern. Von dem Örtchen oben hat man bereits einen aussergewöhnlichen Blick über den Jura, der sich jedoch noch steigern lässt. In Rünenberg dann die erste kulinarische Überraschung in Form eines liebevoll gestalteten Standes mit vielen Variationen an Konfitüren, Schnäpsen und Bränden, Senf und Saucen. Entgegen herrschenden Klischees finden auch unsere beiden Männerherzen etwas. Was? Das erfüllt dann doch wieder jedes Klischee. Aber weiter geht’s. Mit schwererem Gepäck geht es Richtung Wisenberg, mit Abstecher an den Wasserfall Giessen. Der ist beeindruckender als erwartet, führt aber weniger Wasser als angenommen.
       

Wasserfall Giessen

Der Platz rund um den Chrindelbach lädt zu einer ersten Pause ein. Sandwiches werden ausgepackt, während unser Jüngster selber jagen geht: Fossilien, Haifischzähne und Ammoniten. Und was sonst noch in seiner Fantasie dazugehört. Nach einer halben Stunde brechen wir wieder auf. Die typisch gelben Wegweiser zeigen uns den Weg. Aufgestellt von einem der zahlreichen Freiwilligen, die sich um die Beschilderung kümmern. Allein bei der Wanderorganisation Wanderwege beider Basel kümmern sich 60 freiwillige Helferinnen und Helfer um die Signalisation des 1069 km umfassenden offiziellen Wanderwegnetzes, und das in vorbildlicher Manier. Nur einmal kommen wir vom Weg ab, weil wir eine Signalisation falsch interpretieren. Das grosse Schild am Wasserfall kann auf keinen Fall übersehen werden. Wir steigen die Treppen hinauf und folgen dem Wanderweg weiter auf den Wisenberg. Stossen auf eine kleine Freiluftbar, die mit viel Hingabe gebaut wurde. Nehmen einen Kaffee und finden einen bunt bemalten Stein, den wir sofort mitnehmen. Weiter geht es vorbei an blühenden Kirschbäumen, durch Wald und Wiesen. Der Blick überwältigt uns ebenso wie die kreisenden Rotmilane über uns. An schnelles Wandern ist gar nicht zu denken. Wir sind Geniesser, wissen um die Bestimmung jeder Bank und erfüllen sie. Saugen diesen weiten Blick und die gute Luft ein. Lassen unser Gehör los und erlauben ihm, ungefiltert alle Geräusche wahrzunehmen. Versuchen zu speichern, was geht. Das ist das Schöne am Wandern. Es erlaubt jedem, in dem Tempo zu wandern, das er mag. Es ist Hobby für sportliche Läufer und für sinnenfrohe Geniesser. Es kann alleine gewandert werden oder in der Gruppe. Die Natur kann beiläufige Deko sein oder wichtiger Akteur.

Wellness in Bad Ramsach

Vom Wisenberg geht es bergab in Richtung Bad Ramsach, wo wir im Quellhotel einchecken werden. Wir kommen am frühen Nachmittag an und haben noch viel Zeit, um im 34 Grad warmen Thermalbad zu baden. Seit über 500 Jahren fliesst aus der Hausquelle des Hotels das hochwertige Kalzium-Sulfat-Mineralheilwasser. Das frische Ramsacher Quellwasser tut aber nicht nur auf der Haut gut, es schmeckt auch und ist heilsam. So ist das Quellhotel Bad Ramsach auch anerkanntes Kurhaus unter ärztlicher Leitung. Es bietet ein umfassendes Kur- und Physiotherapieangebot, Akupunktur, TCM, Heilgymnastik und medizinische Trainingstherapie. Daneben natürlich auch Wellnessangebote wie Massagen und kosmetische Anwendungen. Einzigartig ist die idyllische Lage am Wisenberg auf 750 Metern mit Blick auf die Vogesen und den Schwarzwald. Ein Kraftort in jeder Hinsicht. Dank der Panoramafenster geniessen wir nach dem Bad den Sonnenuntergang, erst auf dem Balkon, dann beim Apéro im Restaurant. Hier setzt sich die aussergewöhnliche Dekoration mit Liebe zum Detail fort. Inspiriert von Lewis Carolls «Alice im Wunderland», fasziniert die Inneneinrichtung Kinder und Erwachsene gleichermassen. Überall laden Bücher, Stofftiere, Figuren und sonstige Gegenstände ein, die Geschichte zu erleben. Alles darf, ja soll angefasst und benutzt werden. «Kinder kommen an die Rezeption und schnappen sich oft die zwei Stoffpferde, die sie dort wartend begrüssen», erzählt uns Gastgeber Hermann Mazotti. «Das ist ganz in unserem Sinne.» Auch wir werden zu Kindern. Entdecken nun überall weisse Kaninchen, Torten, Hutmacher, Spielkarten und allerlei Royales.

Bärlauch als Muss

Die frische Luft hat uns hungrig gemacht. Wir studieren die Karte und entdecken freudig einige Gerichte mit Bärlauch, das ja gerade Hochsaison hat.

«Das Motto der Küche lautet: marktfrisch, regional und saisonal», klärt uns der Gastgeber auf. «Natürlich gehen wir auch auf spezielle Kundenwünsche ein, beispielsweise im Rahmen einer Diät oder Unverträglichkeit.» Erstaunlich auch die Auswahl an vegetarischen und sogar veganen Gerichten. Das findet man sonst selten. Abends geniessen wir die absolute Ruhe und Dunkelheit und schlafen unheimlich gut. Das Frühstück ist Corona-bedingt etwas reduziert und portioniert, aber das wird in bester Manier durch die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit des Personals ausgeglichen.

Kunst trifft Geschichte

Bevor es zurück nach Hause geht, wandern wir ein paar Kilometer Richtung Läufelfingen zur Ruine Homburg. Von ganz oben hat man einen sagenhaften Blick auf die Jurahöhen, während die Steinmauern ihre Geschichte erzählen. Wirklich beliebt war die Burg beim Volk nie. 1240 durch Graf Hermann IV. von Frohburg erbaut, wechselte sie ein paar Mal die Besitzer, bevor die Dorfbevölkerung die verhasste Burg 1798 im Jahrzehnt der Französischen Revolution verbrannte. Heute ist sie beliebtes Ausflugsziel und begehrter Picknickplatz für grosse und kleine Entdecker. Weil wir noch mehr über die Geschichte der Region erfahren wollen, laufen wir weiter nach Läufelfingen, wo wir das Silo 12 besichtigen, ein Industriemuseum zum Thema Stein, das im Silogebäude eines stillgelegten Steinbruchs untergebracht ist. Wir erhalten eine Gruppenführung, da das Museum offiziell erst im Mai öffnet. Wir erfahren, dass Läufelfingen als Pass- und Tunneldorf am Unteren Hauenstein jahrzehntelang von der steinverarbeitenden Industrie geprägt worden ist. Doch das Museum ist auch gleichzeitig ein Ort der Begegnung, wo ehemalige Industriekultur auf modernes künstlerisches Schaffen trifft. Die Kombination gelingt und schafft ein aussergewöhnliches Ambiente, das für verschiedene Kulturanlässe benutzt wird. Dominique Simonnot